Gedichte






Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichtete sie weise
Denn auf den letztten Teil der Reise.

So will man oft und kann doch nicht
Und leistet dann recht gern Verzicht.

(Joachim Ringelnatz)



Der Spatz

Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unte hielt die Mietzekatz'
schon seit geraumer Weile Wache.
Da sagt sich das Spätzlein keck:
Mich kann das Biest nicht überlisten!"
Bums, kam ein Habicht um die Eck'
und holte sich den Optimisten.
So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wär'n die Schlauen
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muss auch mal nach oben schauen!

(Heinz Erhardt)



Nachtfalter

Nachtfalter kommen verloren,
Wie Gedanken, aus dem Dunklen geboren.
Sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen
Und kommen zum Finster, um hellzusehen
Und in die nachtstille versunken
Flattern sie zuckend und trunken.
Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen,
Die Blumen alle sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen die sehnsucht wacht,
Verliebte sich grähmen in schlafloser Nacht,
Da stürzen sie in das Licht, sich zu wärmen,
In das Licht, das Tränen bescheint und Härmen.
Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen,
Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.

(Maximilian Dauthendey)



Ballade von schwerren Leben des Ritters Kauz vom Rabensee

Es war ein alter Ritter,
Herr Kauz vom Rabensee.
Wenn er nicht schlief,dann stritt er.
Er hieß: der Eiserne.

Sein Mantel war aus Eisen,
Aus Eisen sein Habit.
Sein Schuh war auch aus Eisen.
Sein Schneider war der Schmied.

Ging er auf einer Brücke,
Über den Rhein - pardauz!
Sie brach in tausend Stücke.
So schwer war de Herr Kauz.

Lehmt er an einer Brüstung,
Es macht sofort: padauz!
So schwer war seine Rüstung.
So schwer war der Herr Kauz.

Und ging nach solchem Drame
Zu Bett er, müd wie Blei:
Sein eiserner Pyjama
Brach auch das Bett entzwei.

Der Winter kam mit schnaufen,
Mit Kälte und mit Schnee.
Herr Kauz ging Schlittschuh laufen
Wohl auf dem Rabensee.

Er glitt noch eine Strecke
Aufs stille Eis hinaus.
Da brach er durch die Decke
Und in die Worte aus:

Potz Bomben und Gewitter,
Ich glaube, ich ersauf!
Dann gab der alte Ritter
Sein schweres Leben auf

(Peter Hacks)




Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab' nicht mehr, was mich freuet;
verlassen steht der Baum im Feld,
hat lengst sein Laub verstreuet.

Der Win nur geht bei stiller Nacht´,
und rüttelt an dem Baume:
da rührt er seine Wipfelsacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühligszeit,
von grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.

(Joseph von Eichendorff)



Wintersee

Ihr Fische, wo seid ihr
mit schimmernden Flossen ?
Wer hat den Nebel,
das Eis beschossen ?

Ein Regen aus Pfeilen,
ins Eis gesplitter,
so steht das Schilf
und klirrt und zittert.

(Peter Huchel)



Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt.
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt.
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmen Golde fließen.

(Eduart Mörike)
Begin JavaScript roadmap code. If editing downloaded HTML source, delete this portion.--> End inserted JavaScript code.-->

gefunden bei



Datenschutzerklärung
Gratis Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!